Warum Schmerz nicht automatisch bedeutet, dass etwas kaputt ist
Schmerz bedeutet nicht Schaden – das ist einer der wichtigsten Sätze, die ich meinen Klientinnen immer wieder mit auf den Weg gebe. Auch wenn sich das im ersten Moment fast unmöglich anfühlt zu glauben. Plötzlich ist da dieser Schmerz und die Panik kommt direkt mit. „Hab ich mir was kaputt gemacht?“ „Ist das ein Bandscheibenvorfall?“ „Soll ich mich lieber gar nicht mehr bewegen?“
Diese Gedanken sind menschlich und nachvollziehbar. Aber als Physiotherapeutin kann ich dir aus eigener fachlicher Erfahrung sagen: In den allermeisten Fällen steckt hinter akutem Schmerz keine strukturelle Schädigung, sondern etwas viel Harmloseres.
Schmerz bedeuet nicht Schaden
Muskeln können meckern, wenn sie einseitig oder falsch belastet werden, wenn sie überlastet sind, oder auch, wenn sie unterfordert sind. Ja, auch das kommt vor. Muskelschmerz kann dabei richtig intensiv sein, ohne dass strukturell etwas kaputt ist. Gerade wenn man aus einer Periode mit chronischen Schmerzen kommt, ein eher ängstlicher Charakter ist oder sich noch nicht wirklich mit seinem Körper auseinandergesetzt hat, ist es schwer so ein starkes negatives Gefühl einzuordnen. Es bedarf Übung, wie jede andere Fähigkeit auch.
Übrigens auch spannend, und vielen nicht bewusst: Dein Nervensystem kann noch Jahre nach einer echten, längst verheilten Verletzung Schmerzen melden, obwohl im Gewebe selbst längst alles wieder in Ordnung ist. Das nennt man Schmerzgedächtnis. Und dein emotionaler Zustand beeinflusst deine Schmerzwahrnehmung direkt. Erschöpfung, Stress, Angst oder Traurigkeit verstärken Schmerzen spürbar, selbst wenn körperlich objektiv nichts passiert ist.
Was also tun, ohne gleich in Angst zu verfallen? Beobachten, statt sofort das Schlimmste anzunehmen. Lernen, die Signale einzuordenen. Frag dich dafür ganz konkret:
- Wie fühlt sich der Schmerz an, ziehend, brennend, dumpf?
- Ist er punktuell oder eher flächig?
- Strahlt er aus?
- Wie stark ist er? (1-10)
- Wann wird er stärker oder schwächer? (z.B. durch Wärme oder Kälte)
- Wie verändert er sich im Verlauf eines Tages?
- Wie schnell lässt er sich auslösen?
- Wie lange hält er an?
- Welche Bewegungen tun weh, welche tun eher gut?
- Gibt es einen Ruheschmerz, der auch ganz ohne Bewegung da ist?
Sei neugierig statt ängstlich. Dein Körper sendet dir ständig Signale und du kannst mit der Zeit lernen, sie richtig zu verstehen, statt sie sofort als Alarmsignal zu interpretieren. Kleiner Spoiler vorweg: In vielen Fällen steckt einfach die Muskulatur dahinter, die ein bisschen Aufmerksamkeit durch Dehnen und Krafttraining braucht.
In den allermeisten Fällen hilft genau das, wovor viele am meisten Angst haben: Bewegung- bewusst, angepasst und regelmäßig. Eher physiotherapieorientiertes Training im Laufe einer „Schmerzepisode“ und dann dringend hin zu normalem Training mit Gewichtssteigerung und auf die körperlichen Besonderheiten abgestimmt. Andernfalls würde der Körper ohne Belastung abbauen und damit langfristig anfälliger. Kein Sport ist also nie die Lösung.
Und noch was: Dein Körper arbeitet nicht gegen dich. Er will mit dir arbeiten. Genau das versuche ich meinen Klientinnen jeden Tag zu vermitteln: Schmerz bedeutet nicht unbedingt Schaden, Schmerz ist erstmal nur ein Signal, ohne Urteil über deinen Körper oder deine Zukunft. (Vielleicht kennst du die Angst vor der Angst- ein kleines Ziepen fühlt sich dann schon wie der Beginn einer intensiven Schmerzepisode an.)

Wenn du lernen willst, wie du dosierst, dich Schritt für Schritt steigerst und wieder Vertrauen in Bewegung findest, begleite ich dich gerne dabei. Buch dir ein kostenloses Kennenlerngespräch, und wir schauen gemeinsam, wie das für dich aussehen kann, ganz ohne Angst vor dem nächsten Ziehen im Muskel.

