Was bleibt, wenn der Schmerz geht
– aber die Angst bleibt?
Ich skizziere kurz ein Bild von einer jungen Frau: 2 Jahre Leidensweg, 1 Jahr davon bettlägerig, eine Narbe, die nicht zuwächst, Fehlbehandlungen von ärztlicher Seite und jede Menge Schmerzen.
Richtiger Mist.
Irgendwann ist die Narbe zu, keine Bettordnung mehr und es wird keine Physiotherapie mehr verschrieben.
Was aber bleibt: Angst.
Angst vor Schmerzen bei Bewegung. Nicht zu wissen, ob es wieder schlimmer wird. Was ist gut, was nicht? Soll man deswegen schon wieder zur/m Ärzt:in gehen? Man will ja “nicht so sein”. Die Psyche ist (immernoch) maximal belastet. Man verkrampft, jetzt tut alles weh, nichts scheint zu gehen. Aber man ist doch gesund – oder?
Was ist das Problem? Dass zu keiner Zeit ein Wissen für die langfristige Heilung vermittelt wurde, um welche Strukturen geht es hier? Wie äußern sie sich bei verschiedenen Reize? Was ist zu viel, was ist genau richtig?
In der Arbeit mit der jungen Dame ging es darum, Wissen zu vermitteln, damit sie selbst weiter arbeiten kann:
- Zustand des aktuellen Narbengewebes bewerten (z.B. Verwachsungen)
- Zuordnen von den beschrieben Schmerzen: Bindegewebe, Muskeln, Nerv und darauf Theorie aufbauen, was der mechanischen Problematik zugrunde liegt.
- Wissen vermitteln, wie sie diese Schmerzen den Strukturen selbst zuordnen kann. Ganz nach dem Motto: Klarheit schafft Sicherheit und was man versteht, macht weniger Angst.
- Fehlinformationen über Faszien zu korrigieren und passende Übungen an die Hand geben.
- Zustand des Bindegewebes in dem Bereich bewerten und wie es beeinflusst werden kann.
- Wissen vermitteln: Was sind die beteilgten Strukturen genau (Haut, Muskeln, Facettengelenke, Nerven etc.) und was wollen sie? (Dehnen, Durchblutung, lieber keine Reizung etc.)
- Wie kann sie mit dem Wissen ihre Schmerzqualität und Schmerzstärke selbst bewerten und die passenden Maßnahmen dazu finden? (Spoiler: Es kam raus, dass es teilweise Bewegungen sind, von denen sie dachte, dass es eigentlich ganz gut tun würde, aber sie die aus Angst nicht gemacht hat.)
Letzendlich waren wir uns beide einig, dass ein Großteil der Schmerzen davon stammen, dass die Muskulatur reflektorisch in dem Bereich verkrampft, weil jegliches Ziepen in dem Bereich super Angstbesessen ist. Die Folge dessen haben viel schlimmere Auswirkungen im Alltag als das eigentliche noch bestehende strukturelle Problem.
Zu der Frage: Ja, sie ist aus ärztlicher Sicht gesund. Aus struktureller Sicht. Aber trotzdem stimmen ihre jetzigen Beobachtungen. Sie muss sie nur interpretieren lernen. Das ist das fehlende Puzzlestück auf dem Weg zur absoluten Genesung.
Mein an sie verordnetes Übungsprogramm bestanden unter anderem aus einbeinige Gleichgewichtsübungen, Step, Ups, Fahrrad fahren, Springseil springen, hüftöffnende Dehnungen und (lach bitte nicht) Meditationen für das Sakralchakra, um die negative Verbindung zu dem Bereich zu lösen – manchmal kann man nämlich auch zielführend mit dem Shishi arbeiten 😉.
Sie hat einen Plan, sie fühlt sich sicher. Ihr sind Tränen vor Erleichterung gekommen, weil sie endlich weiß, mit der Thematik umgehen zu können und ich ihr ihre größten Ängste nehmen konnte.
Wie ist es mit deinen Schmerzen? Fühlst du dich von dem Gesundheitssystem manchmal im Stich gelassen?

